Carey Law LLC Atlanta – Betrug auf höchstem Nieveau?

  |   Peter Eppich
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Da schickt einem eine Rechtsanwaltskanzlei, die Firma Carey Law LLC aus Atlanta in den USA ein förmliches Fax. In relativ gutem Deutsch formuliert und persönliche Anrede. Plausible Suchergebnisse in Google zeigen eine dazugehörige seriös wirkende Webseite mit übereinstimmenden Kontaktdaten.
Eine Firmen-Facebookseite ist auch vorhanden. Also Fehlalarm trotz der unglaublichen Story mit dem 7,6 Mio.€ Erbe, was eigentlich auf Scam hindeutet?

Um es dem schnellen Leser einfach zu machen: Faxe von „Carey Law LLC“ Atlanta sind Scam – also Betrugsversuche!

 

Bild von Walter Carey aus Atlanta mit Scam-Alert dadrüber gedruckt
Walter R. Carey, Inhaber der angeblichen Kanzlei „Carey Law LLC“, wie er sich angeblich auf seinem Pass darstellt. Möglicherweise handelt es sich um einen gestohlenen Pass und der abgebildete Mensch weiß gar nichts davon. Wer ihn kennt, möge ihn bitte benachrichtigen. Danke.

Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Fax von der Firma Carey Law LLC um einen raffinierten Vorschussbetrug. Es liegen mir inzwischen 11 Erfahrungen bzw. gleichlautende Faxe unterschiedlicher Empfänger vor. Und beinahe täglich bekomme ich weitere Rückmeldungen von Lesern.

Das erste Fax:

Walter Carey Law LLC und das 7,6 Mio. € Erbe. Das erste Fax vom 29.11.2018

Am 29.11.2018 bekam ich ein Fax von einem Herrn Walter Carey, Inhaber der Anwaltskanzlei „Carey Law LLC“ aus Atlanta. Nicht der übliche Spam von Autohändlern aus Köln. Es war ein Schreiben, persönlich an mich adressiert mit korrekter Anrede, mit nicht unterdrückter Absenderkennung und einer Seite Inhalt in ausreichend gut lesbarer Schrift. Briefkopf und allem, was so dazugehört. Im Fax-Kopf steht die Absenderrufnummer +1470.300.7735, also USA.

Der Inhalt des Fax in Kürze

Screenshot des Faxes vom 29.11.2018
Das Fax vom 29.11.2018, welches ich von Walter Carey aus Atlanta erhalten habe

Was erklärt mir ein Herr Walter R. Carey (der Inhaber einer Rechtsanwaltskanzlei) in diesem Fax (Link zu der Original-Datei als .pdf)? Ein Geschäftsmann mit Namen Jürgen Eppich (also mein Nachname) hätte eine Erbschaft hinterlassen und es gäbe keinen Erben bla und so weiter. Es folgt ein Absatz über die Höhe des Nachlasses, dass zu diesem Nachnamen in den USA keine Erben ermittelt werden können (klar, ist ja auch kein häufiger Name, den ich da selbst trage) und ich wegen dem gleichen Nachnamen daher kontaktiert werde. Das Angebot, man könne sich das Erbe teilen, sofern bestimmte Formulare vorliegen würden und so weiter.

Also die bekannte SCAM-Masche, die auch gern unter Nigeria-Connection bekannt ist, obwohl das kein Nigerianisches Phänomen ist, wie wir gleich sehen werden.

Die Formulierungen sind in eleganten, zeitgemäßen und vor allem in weitestgehend korrektem Deutsch formuliert. Auf den ersten Blick lässt sich keinerlei Indiz für betrügerische Absichten finden. Abgesehen von dem Grundprinzip der Masche – Nachlass ohne Erben bla bla usw…

Weitere Details aus dem Schreiben von Walter Carey aus Atlanta

Herr Carey schreibt von 7.6Mio. €, einem Herzinfarkt, einer Bank auf Hawaii, will Vertrauen in die Kooperation und garantiert alles mögliche. Einzig auffällige scheint eine gmail-Adresse zu sein, die aber auch bei solchen privaten Geschäften ggf. plausibel ist, anstelle einer offiziellen Geschäftsadresse zu verwenden. Jedenfalls ein erster möglicher Verdachtsmoment.

Die erste Recherche

Die Erste Analyse zu Carey Law bleibt ohne Befund

Mann mit kritischem Blick und einer Lupe, während er auf einige Dokumente schaut.
Der kritische Blick!

Als Erstes versuchte ich etwas über die hier angegebene Firma Carey Law LLC in Atlanta herauszufinden. Die Suchergebnisse haben mich verblüfft. Es gibt eine professionelle Webseite mit Informationen eines gleichlautenden Anwaltsbüros. Alle Kontaktdaten vom Fax sind mit denen, der Anwaltskanzlei übereinstimmend. Es gibt sogar eine vernünftig gepflegte Facebook-Firmen-Webseite, ordentliches Impressum und Kontaktmöglichkeiten.

Ich habe keine weiteren Vergleiche mit Rechtsanwaltswebseiten in den USA und kann daher nicht mit Bestimmtheit sagen, ob man anhand der Webseite die betrügerischen Absichten erkennen könnte. Jedenfalls mir als ausländischer Bürger wäre ich nicht in der Lage zu erkennen, ob das eine gefälschte Webseite ist. Jedenfalls stimmen die Daten mit denen des Faxes überein.

Weitere Punkte, die einen Betrug zunächst unwahrscheinlich erscheinen lassen:

  • Der Faxversand kostet Geld, jedenfalls ins Ausland. Auch braucht es viel mehr Zeit, um tausende Faxe zu versenden. Massenweise versendeter Scam dürfte die Versender daher zu teuer und zu aufwändig sein.
  • Das Schreiben ist mit persönlicher Anrede versehen
  • Der Nachlasser trägt den gleichen Nachnamen wie ich
  • Das Schreiben ist in fast völlig korrektem Deutsch formuliert. Man hat zwischenzeitlich formuliert, dass die SCAM-Briefe absichtlich in schlechten Deutsch formuliert sind, so dass nur die einfachen Gemüter von der Echtheit ausgehen und so eine Vorauswahl stattfindet, die „schlaue Füchse“ von Anfang an aussortiert. Dies scheint hier offensichtlich nicht der Fall zu sein
  • Die Absenderkennung im Fax-Kopf, die angegebenen Kontaktdaten und die Adresse stimmen mit dem Impressum der Webseite überein

All das sieht mir für einen üblichen Scam viel zu aufwendig aus. Insofern wäre das ein neues Level dieses Artes von Betrug. Man möchte ja niemanden zu Unrecht des Betruges oder Betrugsversuches beschuldigen. Ganz sicher auch nicht in diesem Fall. Aber wie bin ich überhaupt drauf gekommen, dass es sich hier um Betrug handeln muss? Jedenfalls bei dem versendeten Fax?

Es gibt inzwischen auch Beweise, dass es sich um eine aufwendig gestaltete Fake-Webseite handelt.

 

Hinweise auf Betrug

Der Carey Law LLC Atlanta Fake

-> die tiefe Analyse mit ersten harten Fakten

Abfrage whois-Daten

Die Ergebnisse der Whois-Daten waren öffentlich. Hieraus kann man erkennen, dass die Domain der Firma „Carey Law LLC“ nicht in den USA registriert wurde, sondern in Australien. Was für eine Anwalts-Webseite aus den USA schon sehr sehr ungewöhnlich ist, um eigentlich zu sagen, praktisch ausgeschlossen werden kann. Aha – also ein erstes Indiz. Vielleicht habe ich ja eine neue Australia-Connection entdeckt…

Analyse des Quelltextes der Scam-Webseite

Analyse des Quelltextes der angegebenen Webseite: „careylawfirmllc dot com“. Auf den ersten Blick eine WordPress-Site mit vernünftigen, wenn gleich auch nicht vollständigen Metadaten. Kein Geheimcode oder was hätte ich da eigentlich erwartet? Halt – doch da – ich habe einen smoking gun. Eine Open-Graph URL passt nicht zur Webseite, sondern nennt eine völlig andere Domain. Die schauen wir uns mal an und da sehe ich eine völlig identische Webseite einer Anwaltskanzlei, nur ein anderer Ort sowie eine andere Telefonnummer.

der verdächtige Quelltext
Der Quelltext von der fraglichen Webseite zeigt Überreste einer völlig anderen Webseite  – vermutlich das Original, von dem aus kopiert wurde.

 

Wie es aussieht, ist das möglicherweise der Hinweis auf das Original, von dem aus die Webseite kopiert wurde und der Scammer hat sich nur nicht die Mühe gemacht, den Quelltext zu bereinigen.

Analyse der Absendernummer in der Telefonzentrale

Die auf den Faxen gedruckte Absendernummer muss ja nicht mit der tatsächlichen übereinstimmen. Und die tatsächliche Nummer ist eine Absendernummer aus Australien. Ich kann das nur im Protokoll der Telefonzentrale einsehen, daher habe ich es auch erst zum Schluss gesehen. Also Australia-Connection? Gibt es Gründe, dass eine Kanzlei aus den USA den Faxversand aus Australien organisiert? Schwer vorstellbar – oder?

Ausweiskopie von Herrn Walter Carey (Fake)

Personalausweis von Herrn Walter Carey aus Atlanta
Carey Law LLC Walter R Carey: Hier das Beispiel des vermutlich gefälschten Ausweises. Ich habe, für den Fall, dass der Ausweis gestohlen wurde, einige Zahlen und Details retuschiert, um den eventuell existierenden eigentlichen Eigentümer nicht zu schaden. Dieser Ausweis wird bei einer Antwort auf das Schreiben als Vertrauensbeweis verwendet und weist keine erkennbaren Retuschen auf.

Ein Leser hat bereits geantwortet und auf seine Zweifel hin wegen der angegebenen privaten Emailadresse hin sogar eine Ausweiskopie erhalten, die relativ echt aussieht. Ziemlich echt sogar. Es gibt aber in den USA Webseiten, die einen täuschend echten Reisepass als Service anbieten. Fake-Pass-Generatoren. Möglich wäre auch, dass dieser Reisepass gestohlen wurde.

Gestohlener Ausweis?

Der Diebstahl des Ausweises wäre mir plausibel. Denn man kann bei der genauen Analyse mit Photoshop keine sichtbaren Bildmanipulationen. Auch wäre bei einem synthetisch generierte Bild die Schrift bzw. Buchstaben nicht unbedingt exakt genauso minimal schief, wie der Ausweis schief eingescannt wurde.

Bei der Unterschrift lässt sich nachvollziehen, dass die Nachträglich auf echten Papier geschrieben wurde und vermutlich nicht hineinkopiert. Den die schwarze Schrift hat in Teilbereichen des roten Wappens ebenfalls eine leichte Rotfärbung. Mit einer intelligenteren Fotomontage, wie bei Photoshop mit Ebenen „abdunkeln“, wäre aber auch das möglich, zu manipulieren.

Wenn es eine Fälschung ist, dann ist es eine aufwändig gestaltete, ansonsten gehe ich eher von gestohlenem Dokument aus.

Kopierte Unterschrift

Eben habe ich das noch überprüft. Die Unterschriften auf dem gesendeten Fax sowie auf dem Ausweis sind 100%ige Kopien. Pixelgenau. Auf das Milligrad genau die gleiche Schrägstellung. Die Analyse von Photoshop kann die absolute Sicherheit geben, dass eine der beiden Unterschriften gefälscht sein muss.

Da auf dem Fax die Unterschrift etwas „ausgefranst“ ist, gehe ich zur Zeit davon aus, dass sie mittels Freistellen aus dem Originalausweis kopiert wurde. Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass die Unterschrift in den Fake-Ausweis mittels „Abdunkeln“ oder ähnlicher Ebenenfunktionen hineinkopiert wurde.

 

UPDATE

Rückmeldung vom 02.12.2018

Ich habe Zuschriften erhalten, von zwei weiteren Lesern, die ebenfalls 7.6Mio bei dem jeweiligen entfernten Verwandten mit gleich lautendem Nachnamen in Aussicht stellen, bzw. einen Teil davon.

Rückmeldungen vom 03.12.2018

Zwei weitere angeschriebene Leser haben sich bei mir gemeldet, mit der gleichen Story, nur anderen Nachnamen. Auch dort wurde der gleiche Ausweis in der zweiten Email mit dem gleichen Text versendet. Dazu passend wird erklärt, dass es eine 21 Tages-Frist bei der Bank. Man müsse also zügig die Transaktion (in 14 Tagen garantiert) vornehmen… und so weiter…

Rückmeldungen vom 05.12.2018 – Und eine Kontaktmöglichkeit vor Ort in Atlanta…

Allein heute bekam ich drei weitere Zuschriften von Lesern / Leserinnen mit gleichlautenden Faxen und identischem Betrag. Eine Leserin hat sogar persönliche Kontakte nach Atlanta und wird versuchen, ob sie für diesen Artikel sogar ein Foto der angegebenen Adresse „Carey Law LLC, 4086 Campbelton Road, Atlanta“ organisieren kann. Ich werde berichten, sobald ich dazu weitere Infos habe. Es bleibt also spannend! Wie es scheint dürften die ersten Faxe am 28.12. rausgegangen sein. Jedenfalls ist das das Datum des frühesten Empfängers, welches mir berichtet wurde. Einer der Zuschriften kam auch aus Österreich, wo offenbar ebenfalls nach gutgläubigen Erben gesucht wird.

06.12.2018: die 9. Meldung erreicht mich.

09.12.2018: Nun sind es 11 Meldungen mit gleichlautendem Inhalt. Der Kontakt in Atlanta hat uns noch kein Foto der Adresse mailen können.

Dies ist die Campellton Road 4086 in Atlanta. Keinerlei Hinweise auf die hier ansässige angebliche Carey Law Firm LLC. Jedenfalls nicht in google-Street-View. (c) google – Image Date: 2017 https://www.instantstreetview.com/@33.694537,-84.521928,162.28h,3.64p,0.03z

Mithilfe

Sind Sie auch betroffen sind oder sogar weitere Schritte gegangen sind, über die Sie hier berichtet wissen möchten, melden Sie sich gern bei mir. Falls Sie selber eine Webseite betreiben, verlinken Sie diese Artikel bitte prominent auf Ihrer Seite. Es ist wichtig, dass dieser Artikel in google gut gefunden wird, damit möglichst viele Betroffene vor einem Schaden bewahrt werden.

Ausblick:

Wer es mit ein wenig Humor sehen möchte, dem empfehle ich den Artikel vom Postillon:

Reicher nigerianischer Prinz bekommt ständig E-Mail-Absagen von Geschäftspartnern

 

Fazit

Von der Carey Law Firm LLC liegen mir nunmehr elf! gleichlautende Schreiben an unterschiedliche Empfänger vor. Alle haben die gleiche Story und gleichem Betrag von 7.6 Mio €. Es kann hiermit absolut sicher von einem Betrugsversuch ausgegangen werden. Auch wenn hier mit Fax-Scam ein neues bisher unbekanntes Level erreicht wurde, bleibt die Masche dem aufmerksamen Leser dennoch zum Glück erkennbar. Dieser Artikel dient dazu, Menschen, die nach Erfahrungen, Betrugsversuch oder andere Themen in Zusammenhang mit der Firma Carey Law aus Atlanta suchen, die notwendigen Informationen bei google finden können, um sich schnell ein Bild zu machen.

Die Firmen Carey Law Office LLC, die Carey Law Group LLC  oder die Carey Law aus Chicago haben nichts mit diesem Fake zu tun und sind anständige Unternehmen.

· Kategorien: News, Ratgeber, Tipps · Verfasser: Peter Eppich